Wer verdient eigentlich an meinen Reisen?

Teil 2 der Blogreihe Bewusst Reisen

Wir klären die Frage: "Wer verdient eigentlich an meinen Reisen?" und geben dir Tipps, wie du die lokale Bevölkerung mit deinen Reisen unterstützen kannst.

Vorab: Wie kommt es zur Blogreihe 'Bewusst Reisen' ?

Du möchtest wissen, wie es zu der Blogreihe Bewusst Reisen gekommen ist? Dann lies dir den ersten Beitrag der Reihe durch. Im ersten Beitrag “ Warum wir weiterhin in ferne Länder reisen sollten“ geht es um die Herausforderungen, aber auch die Chancen des Tourismus.

Mit der aktuellen Blogreihe Bewusst Reisen möchte ich euch einige praktische Tipps mit auf den Weg zu geben, wie ihr eure nächsten Reisen bewusster gestalten könnt. Lasst euch inspirieren und zum Nachdenken anregen und entscheidet selbst, welche Tipps ihr für euch übernehmen möchtet. Also viel Spaß beim Lesen!

 

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Wer verdient eigentlich an meinen Reisen?

Habt ihr euch schon mal die Frage gestellt, beim wem das Geld ankommt, dass ihr für euren Urlaub und eure Reisen in fremde Länder ausgebt? Und wusstet ihr, dass häufig weniger als ein Drittel der Einnahmen aus touristischen Reisen in den Kassen des bereisten Urlaubslandes verbleiben? Warum das so ist und welche Reisearten zu dieser ungleichen Verteilung beitragen, erklären wir euch in diesem Beitrag. Außerdem geben wir euch einige praktische Tipps, wie ihr dazu beitragen könnt, dass die lokale Bevölkerung vor Ort von euren Ausgaben profitiert.

 

Bei Buchung im Reisebüro

Bucht ihr eure Reise in einem Reisebüro, so verdient natürlich das Reisebüro und der dazugehörige Reiseveranstalter an der Reise. Auch wenn es so scheint, als sei die Beratung im Reisebüro kostenlos, so profitieren das Reisebüro und der Reiseveranstalter von den Kommissionen.

Und immerhin laufen „70% des Tourismus über die großen Veranstalter.“

Bei Buchung im Netz

Auch bei Online-Buchungen verdient jemand Geld an der Vermittlung der Reiseleistungen. Die Plattformen über die Preisvergleiche angeboten werden verdienen eine Kommission von jedem Anbieter, der auf der Plattform aufzufinden ist. Nehmen wir das Beispiel bekannter Buchungsplattformen für Hotels. Hier verdient die Plattform an jeder Buchung eine anteilige Kommission. Die Anbieter der Unterkünfte müssen daher abwägen, ob es sich lohnt über diese Buchungsplattformen gefunden zu werden. Der Vorteil ist ganz klar die Auffindbarkeit, denn die meisten Reisenden nutzen Vergleichsplattformen zur Buchung im Netz. Für kleinere Unterkünfte ist eine Zusammenarbeit mit Buchungsplattformen nicht immer vorteilhaft, da ihnen ein bedeutender Teil der Einnahmen verloren gehen kann. 

Und wer verdient sonst noch an meinen Reisen?

In der Regel die Fluggesellschaft, der lokale Flughafen (z.B. an einer Flughafensteuer) und die Unterkunft sowie weitere touristische Anbieter. Hotels und andere touristische Angebote schaffen zudem viele Arbeitsplätze im Land und so unterstützt eine Reise auch immer in gewisser Weise das Land wirtschaftlich. An der langen Dienstleistungskette des Tourismus verdienen in der Regel viele verschiedene Anbieter, anders sieht es beim All-inclusive Konzept aus.

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Wer verdient an All-inclusive Reisen?

Auch wenn durch All-inclusive Anlagen vergleichsweise viele Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung geschaffen werden, so verdienen an diesem Modell hauptsächlich die Eigentümer und Investoren der Anlagen. Das AI-Konzept hat zudem oft mehr Auswirkungen auf die Strukturen vor Ort, als man denkt. Im Ort Puerto Plata, in der Dominikanische Republik, mussten bereits nach der Eröffnung der ersten Anlage rund die Hälfte der bestehenden elf Restaurants schließen. Das AI-Konzept trägt dazu bei, dass die Reisenden die meiste Zeit innerhalb der Anlage verbringen. Und anstatt einen authentischen Eindruck von Land und Leuten zu gewinnen, beschränken sich die Eindrücke des Landes meist auf das Resort. Den Touristen fehlt oft das passende Angebot, um das Land zu erkunden und manche Anlagen liegen dazu noch sehr weit von Sehenswürdigkeiten und dem nächsten Ort entfernt. Diese Form des Reisens führt dazu, dass die einzelnen Reiseziele austauschbar sind und Reisende keine Kenntnisse über Land und Kultur gewinnen. Natürlich werden durch den Bau eines großen Resorts vergleichsweise viele Arbeitsplätzen geschaffen. Außerdem kann man argumentieren, dass auch lokale Anbieter, wie Möbelhersteller und Busunternehmen vom Bau der Anlagen profitieren können, wenn die Eigentümer nicht versuchen alles selber zu organisieren.

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Bei Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung geht es aber nicht nur darum Arbeitsplätze zu schaffen. Es geht darum Zugang zu Bildung zu schaffen und eine Struktur aufzubauen, die nicht fremdbestimmt ist, sondern von der Mitarbeit und dem Mitwirken der lokalen Bevölkerung lebt und die regionale Entwicklung berücksichtigt. Auch wenn der Bau großer Resorts ein großes  Potential für die Wirtschaft des Landes hat, so ist es wichtig, dass eine gesunde Mischung an großen Resorts und kleinen Unterkünften besteht. Unabhängigkeit und Ownership können durch AI-Anlagen nicht gefördert werden. In Gambia protestieren lokale Kleinunternehmer genau aus diesem Grund gegen die Umwandlung von Hotels in AI-Anlagen. Auch Reisen auf Kreuzfahrtschiffen tragen meist wenig positives zur strukturellen Entwicklung des Landes bei. Die Städte und ihre Infrastruktur leiden darunter, dass zu viele Touristen auf einmal kommen. Kreuzfahrtschiffe haben einen enormen Beitrag zum Massentourismus beigetragen, der zunehmend in Städten zu einem echten Problem wird – und zwar nicht nur für die Umwelt. Diese Form des Tourismus führt dazu, dass die lokale Bevölkerung sich vom Tourismus abwendet, diese Entwicklungen zeigen sich beispielsweise in Venedig und Barcelona. 

4 Tipps um die lokale Bevölkerung zu unterstützen

Du kannst dir bereits zu Beginn deiner Reiseplanung Gedanken darüber machen, wer von deinen Ausgaben profitieren wird. Du möchtest dass ein Teil deiner Ausgaben im Reiseland verbleibt und die lokale Bevölkerung von den Einnahmen profitiert? Dann haben wir hier einige Tipps für dich.

  1. Die Wahl der Unterkunft
    Achte bei deiner Reiseplanung auf die Wahl der Unterkunft und vermeide die Buchung einer AIl-inclusive-Reise. Der Preis allein ist kein Kriterium und gibt keinen direkten Aufschluss über die Arbeitsbedingungen. Wähle eine landestypische Unterkunft mit einheimischen Beschäftigten und erkundige dich über die sozialen Standards. Bei der Verpflegung ist es von Vorteil, wenn hauptsächlich lokale Produkte verwendet werden. In immer mehr Ländern hast du die Möglichkeit ein Inhabergeführtes Homestay zu buchen. So kannst du nicht nur die lokale Bevölkerung direkt von deinen Ausgaben profitieren lassen sondern zudem Land und Leute authentisch erleben.
  2. Buche deine Aktivitäten vor Ort
    Durch die Buchung von Aktivitäten vor Ort, kannst du lokale Anbieter unterstützen. Vorab gebuchte Ausflüge über den Veranstalter werden meist auch vom Veranstalter organisiert und durchgeführt. Am besten buchst du deine Ausflüge und Aktivitäten vor Ort mit lokalen Anbietern. Nutze Outdoor Aktivitäten bei denen du Natur erlebst ohne sie zu beeinträchtigen. Manche lokale Anbieter kannst du auch vorab buchen, erkundige dich einfach online über die verschiedenen Angebote.
  3. Kaufe lokale Souvenirs
    Der Kauf von Souvenirs, Kleidung und Essen außerhalb der Hotels führt ebenfalls dazu, dass die lokale Bevölkerung die Möglichkeit hat vom Tourismus zu profitieren. Achte auf die Umweltverträglichkeit und kaufe keine Souvenirs aus bedrohten Tier- oder Pflanzenteilen. Am besten setzt du beim Kauf von Souvenirs auf lokale und kunsthandwerkliche Produkte.
  4. Nutze Lokale Dienstleistungen
    Nutze lokale Dienstleistungen, iss lokal, besuche lokale Veranstaltungen und bevorzuge ortsansässige und naturkundige Führer. Du solltest dabei stets die lokale Kultur sowie die Religion und ihre Stätten respektieren.

 

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Nächste Woche erscheint der dritte und letzte Beitrag aus der Reihe Bewusst Reisen. Im letzten Beitrag geht es um umweltbewusstes Reisen. Wir geben euch Tipps für eure Reise und einige Tipps, die ihr schon bei der Planung beachten könnt. Ich freue mich, wenn ihr wieder auf unserem Blog vorbei schaut.

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