Warum wir weiterhin in ferne Länder reisen sollten

Teil 1 der Blogreihe Bewusst Reisen

Ein kurzer Kommentar über die Herausforderungen und Chancen des Tourismus.

Vorab: Wie kommt es zur Blogreihe 'Bewusst Reisen' ?

In der Zeit des Lockdowns habe ich immer wieder mit Familie und Freunden telefoniert und einige haben die Zeit zuhause als eine Art „angenehme Entschleunigung“ empfunden. Mehr Zeit in den eigenen vier Wänden oder im heimischen Garten, mehr Zeit für sich selbst und für die Familie sowie die Möglichkeit sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Doch von Anfang an habe ich mich mit dieser Aussage schwer getan. Klar, ich weiß, wie es gemeint war und auch ich habe versucht das Beste aus der „gewonnen“ Zeit zu machen. Doch ganz so positiv konnte ich die ganze Situation dann doch nicht betrachten. Vielleicht durch mein berufliches Netzwerk aus vielen Selbständigen, die mehr oder weniger stark unter den Folgen zu leiden hatten. Doch mehr noch durch meine vielen weltweiten Kontakte. Menschen, die in den verschiedensten Berufen im Tourismus tätig sind und von der aktuellen Situation viel stärker betroffen sind als wir.

Mit der aktuellen Blogreihe Bewusst Reisen möchte ich euch an meinen Gedanken teilhaben lassen und euch zum Nachdenken anregen, denn bekanntlich beginnt jede noch so kleine Veränderung im Kopf. Außerdem möchte ich euch praktische Tipps mit auf den Weg zu geben, wie ihr eure nächsten Reisen bewusster gestalten könnt. Also viel Spaß beim Lesen! Lasst euch inspirieren und zum Nachdenken anregen und entscheidet selbst, welche Tipps ihr für euch übernehmen möchtet.

Die Chancen des Tourismus
 und warum wir weiterhin in ferne Länder reisen sollten

Aufgrund der Corona-Krise ist der Tourismus dieses Jahr in großen Teilen zum Erliegen gekommen. Der internationale Flugverkehr wurde teilweise pausiert und ist immer noch stark heruntergefahren. Viele von uns konnten aber auch die positiven Auswirkungen des Stillstands auf die Umwelt beobachten. Weniger Flugverkehr bedeutet auch eine geringere Luftverschmutzung und vermutlich war dies nicht die einzige positive Auswirkung auf die Umwelt…

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Die Herausforderungen des Tourismus

Die Umweltproblematik des Tourismus ist uns allen bekannt. An Urlaubsorten werden die natürlichen Ressourcen ausgeschöpft. In vielen Ländern ist Wasser ein knappes Gut, wird aber für Swimmingpools, die Bewässerung von Golfplätzen und in großen Mengen direkt durch die Touristen verbraucht. Der enorme Flächenbedarf für große Hotelanlagen führt dazu, dass intakte Wälder gerodet und ganze Ökosysteme zerstört werden. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten sterben aus, durch den Handel mit Souvenirs aus bedrohten Arten. In einigen touristischen Destinationen wird das Abwasser ungefiltert ins Meer geleitet und Konzepte für die Müllentsorgung fehlen hier völlig. 

Doch was bedeutet das konkret für uns, die wir gerne in fremde Länder reisen? Sollten wir, der Umwelt zu liebe aufs Reisen verzichten? Oder nur noch regional im eigenen Land verreisen?

Es gibt viele Länder, in denen die Wirtschaft hauptsächlich vom Tourismus abhängig ist. Geht der Tourismus zurück, hat das starke negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des gesamten Landes und direkte Konsequenzen für die lokale Bevölkerung. Dies wurde vielerorts aufgrund der aktuellen Situation sehr deutlich. Besonders ärmere Länder sind meist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. 

 

Weltweit hängt jeder 11. Arbeitsplatz am Tourismus.“

Dies bedeutet, dass vielen Menschen, die überall auf der Welt im Tourismus tätig sind, im Moment die Einnahmen einbrechen. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist dies spürbar, wird aber teilweise durch Unterstützung vom Staat oder eigenen Rücklagen abgefangen. Doch in einigen Ländern brechen die Gehälter von heute auf morgen komplett weg, es gibt kein Kurzarbeitergehalt, keine Corona-Soforthilfen und keine sonstige Unterstützung. Solange die Touristen ausbleiben, bleiben auch die Einnahmen aus. In diesen Ländern ist der Tourismus oft der größte wirtschaftliche Sektor, und so fehlt es an beruflichen Alternativen. Betroffen sind Hoteliers und Eigentümer von Restaurants, Zimmermädchen und andere Hotelangestellte. Auch die Betreiber und Angestellten touristischer Aktivitäten, wie von Tauch- und Surfschulen, sowie jeder einzelne lokale Guide. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen… 

Doch es ist nicht nur die lokale Bevölkerung, die unter dem ausbleibenden Touristen leidet. Auch einige lokale Projekte die sich dem Tier- und Artenschutz sowie dem Erhalt kultureller Stätten verschrieben haben sind betroffen, da diese meist über Spenden oder Eintrittsgelder von Touristen finanziert werden. Blicken wir zum Beispiel auf den Tauchtourismus, so konnte dieser dazu beigetragen, dass weltweit einige geschützte Gebiete in Form von Nationalparks errichtet wurden. Bekannte Tauchgebiete wie der Komodo Nationalpark oder Raja Ampat in Indonesien gehören zu diesen Schutzgebieten. Die besondere Artenvielfalt dieser Unterwasserlandschaften wird durch verschiedenen Maßnahmen geschützt, unter anderem ist in den genannten Schutzgebieten der Fischfang verboten. Doch das aktuelle Ausbleiben der Touristen führt dazu, dass diese Schutzgebiete nicht weiter überwacht werden. In diesem konkreten Fall kann der fehlende Tourismus also durchaus auch dazu führen, dass diese Gebiete überfischt werden, die Artenvielfalt abnimmt und das Ökosystem stark beeinträchtigt wird.

Der Tourismus als Chance

Der Tourismus ist eine Herausforderung, doch er bietet auch zahlreiche Chancen für Mensch und Natur. Gerade für ärmere Länder, für unsere geliebten Fernreiseziele, bietet der Tourismus große wirtschaftliche Chancen. Es werden gut bezahlte Jobs mit sicheren Arbeitsbedingungen geschaffen. In vielen Regionen bieten die Jobs, in der Tourismusbranche, die besten Perspektiven sowie mit Abstand die besten Verdienstmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Natürlich ist es wichtig sich der Schattenseiten des Tourismus für die Umwelt bewusst zu sein, denn dieses Bewusstsein brauchen wir, um aktiv zu werden und die Auswirkungen unserer Reisen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. 

 

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Warum wir weiterhin in ferne Länder reisen sollten

Doch mit einer Fernreise in ärmere Länder können wir die Bevölkerung vor Ort unterstützen und zu wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand beitragen. Die Corona-Krise wird nicht ewig andauern. Und wenn sich die Grenzen wieder öffnen, dann sollten wir an all die Menschen denken, die auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen sind. Anstatt uns bei unseren Reiseplänen nach den neusten Trends und den besten Angeboten zu richten, sollten wir uns darauf konzentrieren unsere Reisen so zu gestalten, dass wir die lokale Bevölkerung unterstützen und unseren Einfluss auf die Umwelt minimieren. 

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Im nächsten Beitrag aus der Reihe Bewusst Reisen geht es um die Frage: „Wer verdient eigentlich an meinen Reisen?“. Passend zur Thematik erhaltet ihr einige praktische Tipps, wie ihr die lokale Bevölkerung unterstützen und an den Einnahmen beteiligen könnt.

 

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